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How to… Forschungsfrage formulieren

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Forschungsforum 2026
Forschungsforum der österreichischen Fachhochschulen 2026 
2026-06-02
Published by Katharina Rath at 2026-06-25
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  • Forschungstipps
Forschungsfrage richtig formulieren

In diesem Teil der Serie „Wissenschaftliches Arbeiten für Bachelor- und Masterarbeiten“ zeigen wir euch Step-by-Step, wie ihr eine präzise, relevante und originelle Forschungsfrage formuliert.

In früheren Beiträgen habt ihr bereits erfahren, wie man eine Literatur-Recherche macht und wie ihr Literatur richtig zitiert. Mit diesem Artikel wollen wir euch zeigen, wie ihr nun zu eurer Forschungsfrage kommt.

Warum ist die Forschungsfrage so zentral?

Sie bildet das Fundament eurer Arbeit: Von ihr hängt ab, welche Literatur ihr auswählt, welche Methoden ihr einsetzt und ob ihr eine echte Wissenslücke füllt (Maxwell, 2013). Ohne klar definierte Frage fehlt es euch an Struktur und Ziel. Die Arbeit droht, sich von Anfang an zu verzetteln (Creswell, 2014).

Ihr solltet daher eine Forschungsfrage formulieren, die:

  • eine erkennbare Wissenslücke adressiert,
  • wissenschaftlich relevant ist und
  • innerhalb des gegebenen Rahmens beantwortbar sein (Kromrey et al., 2016).

Damit erfüllt ihr den zentralen Zweck wissenschaftlicher Arbeiten: die Erweiterung bestehenden Wissens.

Schritt für Schritt zur Forschungsfrage

1) Themenfindung und Literaturrecherche

Interessenfeld wählen: Wählt ein Themengebiet, das euch persönlich motiviert oder in dem ihr euch schon auskennt (Bryman, 2016). Im Anschluss führt ihr eine gründliche Literaturrecherche durch:

  • Nutzt Datenbanken (z. B. Web of Science, Scopus oder Google Scholar),
  • und renommierte Journals (z. B. JM, JCR oder JIBS).
  • (Achtung: Inzwischen gibt es auch viele AI-Tools, die Literatur für euch suchen, dort müsst ihr die vorgeschlagene Literatur aber besonders kritisch überprüfen.)

Ziel ist es, den aktuellen Forschungsstand zu erfassen und Forschungslücken (sogenannte „weiße Flecken“) zu identifizieren – Aspekte, die bisher wenig, unzureichend oder gar nicht untersucht wurden (Booth, Sutton & Papaioannou, 2016).  Besonders hilfreich können die Abschnitte „Future Research“ oder „Future Work“ am Ende vieler Paper sein, da sie explizit auf offene Fragestellungen hinweisen.

2) Themeneingrenzung und theoretische Einbettung

Habt ihr eine Basis geschaffen und wurden Wissensdefizite in diesem Bereich identifiziert, dann beginnt ihr mit der Eingrenzung eures Themas. 

Fokus festlegen: Ein häufiger Fehler besteht darin, Themen zu breit zu wählen. Engt euer Thema daher auf:

  • Branche,
  • Region,
  • Zielgruppe, und/oder
  • spezifische Phänomene ein (z. B. Brand Hate im E-Commerce) (Ridley, 2012).

Ein Beispiel:

Statt „Digitalisierung im Handel“ -> „Einfluss von Augmented Reality auf Kaufentscheidungen im B2B-Vertrieb“.

Eine klare Eingrenzung erhöht die Bearbeitbarkeit und verbessert die wissenschaftliche Präzision.

Theoretische Linse bestimmen: Schaut, welche Konzepte, Modelle und Methoden bereits verwendet wurden (Flick, 2018) und überlegt, welche Theorien für eure Arbeit relevant sein können. Gibt es vielleicht Blickwinkel, die in der bisherigen Forschung noch nicht beleuchtet wurden? Entscheidet euch dann bewusst für ein bis zwei Dimensionen (z. B. Konsumentenpsychologie, Dynamic Capabilities, Brand Hate) und begründet, warum genau diese relevant für euer Thema sind (Kromrey et al., 2016; Maxwell, 2013). Wichtig ist, dass man sich auf diese Sichtweisen festlegt (und dieses Festlegen gut argumentieren kann).

Innovationspotenzial prüfen: Ein neuer Blickwinkel auf ein bekanntes Phänomen kann ebenfalls eine originelle Fragestellung generieren (Leavy, 2017). So könnte zum Beispiel die Anwendung der Strategischen Sichtweise eine neue Art sein, wie man sich dem Thema Brand Hate nähert. Insgesamt muss die Arbeit aber einen wissenschaftlichen und/oder gesellschaftlichen Mehrwert bringen (Kromrey et al., 2016).

3) Forschungsfrage formulieren

Bei der Formulierung der Forschungsfrage gelten zentrale wissenschaftliche Grundregeln. Ihr müsst darauf achten, dass diese kurz und prägnant ist und das Wesentliche eurer Arbeit widerspiegelt. Tipp: Denkt beim Ausformulieren einfach daran, was ihr mit dieser Arbeit beantworten möchtet.

Formale Kriterien:

  • Formuliert die Frage offen (vermeidet Ja/Nein-Fragen),
  • beginnt mit „Wie“, „Was“, „Wann“ oder „Warum“ (Weiss, 1994),
  • verwendet klare und verständliche Sprache,
  • meidet Abkürzungen (z. B. „B2B“ oder „POS“) und,
  • formuliert frei von impliziten Wertungen oder Annahmen (Ridley, 2012).

Maximal eine zentrale Frage: Legt euch auf die eine Forschungsfrage fest, die ihr behandeln möchtet (Maxwell, 2013). Mit mehr als einer Frage wird der Scope eurer Arbeit sehr wahrscheinlich zu groß.

Ein Beispiel:

Weniger geeignet: „Ist Social Media Marketing effektiv?“.

Besser: „Wie beeinflusst Social Media Marketing die Markenloyalität von Konsument*innen im E-Commerce?“.

Eine Forschungsfrage kann außerdem in unterschiedliche Kategorien untergliedert werden. Die Einteilung hilft euch, eure Forschungslogik klar zu strukturieren:

  • Kausalfrage: Frage nach Gründen und Ursachen (z. B. „Warum führt eine dynamische Preisstrategie in der Fitnessindustrie zu einer Umsatzsteigerung?“).
  • Deskriptive Frage: Frage nach dem Kontext (z. B. „Wie kann Brand Activism zu einer höheren Markenloyalität führen?“).
  • Prognostische Frage: Suche nach Antworten für die Zukunft (z. B. „Welche Chancen und Risiken ergeben sich beim Einsatz von AR-Technologien in Verkaufspräsentationen im Business to Business Bereich?“).
  • Bewertungsfrage: Bewertungen zu einem bestimmten Sachverhalt (z. B. „Wie ist der steigende Mangel an qualifizierten Arbeitskräften im stationären Handel zu bewerten?“).
  • Gestaltungsfrage: Empfehlung für ein bestimmtes Ziel (z. B. „Welche Maßnahmen sollten Einkaufscenter zur Besucherfrequenzsteigerung ergreifen?“).

4) Detailgrad bestimmen

Ihr fragt euch vielleicht, ob die beispielhaften Forschungsfragen oberhalb detailliert und explizit genug sind. Dies ist relativ schwierig zu beantworten, da dies vollkommen vom Kontext und dem Status-Quo im wissenschaftlichen Diskurs abhängig ist.

Ist zum Beispiel ein Thema noch relativ neu und „unerforscht“, so können sich zu Beginn breite Forschungsfragen ergeben: „Wie ist der steigende Mangel an qualifizierten Arbeitskräften im stationären Handel zu bewerten?“ oder „Welche Chancen und Risiken ergeben sich beim Einsatz von AR-Technologien in Verkaufspräsentationen im Business to Business Bereich?“.

Ist das Thema jedoch schon gut erforscht und gibt es schon einen ausgeprägten, detaillierten, wissenschaftlichen Diskurs zum Thema, müsste man die Forschungsfrage detaillierter und präziser formulieren, um dem aktuellen Stand des wissenschaftlichen Diskurses gerecht zu werden: „Welche Auswirkung hat die Einführung von X auf das Verhalten von Y?“.

5) Qualitätskriterien einer guten Forschungsfrage

Abschließend haben wir euch noch ein paar Kriterien für eine gute Forschungsfrage zusammengefasst:

  • Weniger ist mehr: Der größte Fehler, der oft gemacht wird, ist das Formulieren von mehreren Forschungsfragen. Denn Fakt ist, ihr braucht für mehrere Fragen auch mehrere Arbeiten, wenn ihr diese mit dem nötigen „Tiefgang“ beantworten wollt.
  • Relevanz: Die zu erforschende Frage muss für die Disziplin relevant sein, denn – wie wir in einem früheren Beitrag bereits erklärt haben – ist der Sinn und Zweck eurer wissenschaftlichen Arbeit, Wissenslücken zu füllen und somit einen Mehrwert für die Gemeinschaft zu leisten.
  • Präzision: Aus der Formulierung muss eindeutig hervorgehen, welches Forschungsvorhaben mit dieser Arbeit verfolgt wird.
  • Komplexität: Forschungsfragen brauchen einen gewissen Grad an Komplexität. Denn Fakt ist, ihr müsst für die Beantwortung dieser Frage eine ganze Arbeit schreiben. Überprüfen könnt ihr das gut, indem ihr versucht, weitere Unterfragen zu bilden.
  • Beantwortbarkeit: Die gestellte Frage sollte im Umfang und Zeitraum eurer Arbeit beantwortbar sein.
  • Messbarkeit: Grundsätzlich solltet ihr beim Formulieren der Forschungsfrage nie an die Methode denken. Diese kann sich nämlich noch während des Prozesses ändern. Dennoch solltet ihr schon die Messbarkeit eurer Frage hinterfragen. Denn ohne Messbarkeit wird es schwierig, zu einem Ergebnis zu kommen.

Tipp zum Schluss

  • Früh beginnen: Die Entwicklung der Forschungsfrage ist ein iterativer Prozess.
  • Diskussion suchen: Sprecht regelmäßig mit eurem*eurer Betreuer*in über eure Ideen.
  • Flexibel bleiben: Forschungsfragen dürfen, wie euer Titel auch, im Laufe des Prozesses angepasst werden (erst wenn ihr mit dem empirischen Teil startet, müsst ihr euch auf eine Frage festgelegt haben).
  • Literatur aktiv nutzen: Gute Fragestellungen entstehen aus intensiver Auseinandersetzung mit bestehender Forschung. Daher gilt: lesen, lesen, lesen!

So kann einer guten Forschungsfrage nichts mehr im Weg stehen.

Viel Spaß beim Forschen und Schreiben!


Literatur


Booth, A., Sutton, A., & Papaioannou, D. (2016). Systematic approaches to a successful literature review (2nd ed.). SAGE.

Bryman, A. (2016). Social research methods (5th ed.). Oxford University Press.

Creswell, J. W. (2014). Research design: Qualitative, quantitative, and mixed methods approaches (4th ed.). SAGE.

Flick, U. (2018). The SAGE Handbook of Qualitative Data Collection. SAGE.

Hart, C. (1998). Doing a literature review: Releasing the social science research imagination. SAGE.

Hulley, S. B., Cummings, S. R., Browner, W. S., Grady, D. G., & Newman, T. B. (2007). Designing clinical research (3rd ed.). Lippincott Williams & Wilkins.

Kromrey, H., Roose, J., Strübing, J. (2016). Empirische Sozialforschung (13. Auflage). UVK Verlagsgesellschaft mbH.

Leavy, P. (2017). Research design: Quantitative, qualitative, mixed methods, arts-based, and community-based participatory research approaches. Guilford Press.

Maxwell, J. A. (2013). Qualitative research design: An interactive approach (3rd ed.). SAGE.

Petticrew, M., & Roberts, H. (2006). Systematic reviews in the social sciences: A practical guide. Wiley.

Ridley, D. (2012). The literature review: A step-by-step guide for students (2nd ed.). SAGE.

Weiss, C. H. (1994). Evaluation: Methods for studying programs and policies (2nd ed.). Prentice Hall.

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Katharina Rath
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